Ich habe bei Macnotes.de einen Kommentar gelesen, welcher unter dem Strich den gestrigen Tag als schwarzer Tag für Apple zusammen fasst. Ich kann mich dem nicht so ganz anschliessen – obwohl ich gewisse Punkte im Kommentar nachvollziehbar finde – aber lange nicht jeden.
Ich muss aber auch sagen, dass ich hier nur aus schweizer Sicht schreibe – so als Gegenstück zum stark deutsch fokusierten Macnotes-Kommentar.
iPhone 3G
“...kaum eine Warteschlange war länger als 15-20 Personen...”,… hmm ich bin um 0415 Uhr vor dem luzerner Swisscom-Shop gestanden und da war schon diese Menge an Personen anzutreffen. Selbst dann beim zweiten Anlauf im nächst grösseren Einkaufszentrum war diese Menge anzutreffen, und dann war es schon 0900 Uhr. Absagen mussten bei uns auch nur den Personen gemacht werden, welche das Geschäft mit einem 16GB iPhone verlassen wollten. 8GB Geräte hatte es meines Wissens nach genügend.
Ich muss aber auch zugeben, dass 15’000 Geräte ja wohl ein Witz für ein Land wie Deutschland sind. Diese Zahl liegt ja im Bereich der gemunkelten Geräte, welche bei uns Swisscom alleine gekriegt haben soll (Total 25’000 Geräte für die ganze Schweiz – diversen Gerüchten zu folge).
Aber von der Logisik her gibt es bei uns nichts zu meckern. Jeder Shop – und war er noch so klein – konnte am Freitag morgen Geräte verkaufen. Im Vergleich zu den Problemen in Deutschland und UK darf man hier als davon ausgehen, dass der Logistik-Partner der eidgenössischen Carrier gute Arbeit geleistet hat. Klar wären mehr Geräte toll gewesen, aber dafür können die Carrier ja nichts, sondern das ist ja Apple, welche die vorhandenen Mengen an Geräten weltweit aufteilt – und ja, Apple ist nicht dafür bekannt, dass bei Verkaufsstart die Nachfrage immer gleich gedeckt wird.
Daher kann ich nicht ganz nachvollziehen, dass Apple sich übernommen haben soll, das iPhone 3G weltweit an einem Tag zu veröffentlichen. Die Probleme scheinen mir eher länderspezifischer oder gar carrier-spezifischer Natur zu sein.
Wenn Aktivierungsprobleme auftauchen, weil die Shops mit Windows 2000 versuchten iTunes 7.7 zu verwenden, oder weil die Shops die Geräte erst am Freitag Nachmittag oder gar erst am Samstag erhalten, liegt wohl ganz klar an der Feinlogistik der Carrier.
MobileMe
So schlimm fand ich es nun auch wieder nicht! Denn was hat nicht funktioniert: Die Web Applikationen. Als ich das iPhone um ca 1000 Uhr im Cafe neben dem Swisscom Shop konfigurierte, konnte ich den MobileMe-Synchronisations-Dienst einrichten und erhielt so all meine Adressen und Kalendereinträge. Auch der Mac zu Hause hat seine Daten synchronisiert.
Was ich hier effektiv zu bemängeln habe, ist die allgemeine Performance der Web Applikationen. Aber das ist für uns Europäer ja auch nichts neues. So brilliert die Web-Gallery ja auch nicht gerade in Sachen Performance.
Aber jetzt, wo das mit den Web-Applikationen funktioniert, muss ich eines schon eingestehen: Funktionieren tun die Dinger halt schon geil. Die stellen sogar einen Outlook-Web-Access des aktuellen Exchange-Servers in den Schatten .
Faizt
Womit könne Apple sich nun gestern effektiv übernommen haben? Zuwenig Geräte entgegen der Nachfrage? Das dürfte niemand überraschen, der auch schon mal Apple Produkte gekauft hat. Das war zu erwarten.
Schlechte logistische Leistungen? Wird wohl auch nicht auf Apples Konto gehen. Da dies in meinen Augen ein Problem der Carrier war, bzw. in der Schweiz nicht aufgetreten sind (korrigiert mich).
MobileMe? Ja, das hätte besser starten können. So von wegen “Erster Eindruck”. Aber ganz so schlimm fand ich das nun nicht, da die Synchronisation ja funktionierte.
Aktivierungsprobleme? Auch hier hätte Apple die iTunes-Umgebung (kurzzeitig) etwas stärker auslegen müssen. Aber auch hier? Ich weiss nicht, wann diese Probleme zeitlich auftauchen hätten sollen, denn am Vormittag (bis ca 1100 Uhr) hätte ich das mitbekommen, da ich neben einem Shop sitzend die Kunden verärgert hätte raus kommen sehen sollen.
Insofern ziehe ich – nach wie vor – vor Apple den Hut, so einen Launch an einem Tag zu machen. Alle die das nicht so sehen, sollen das mal besser machen.
Naja gerade mit Ruhm haben sie sich nicht bekleckert aber die Absatzzahlen stimmen. Und am Ende zählt nur das. Pannen geschehen wohl überall, die Frage ist nur wie man damit umgeht. Aber die ganze Geschichte zeigt doch das Apple nicht das Überunternehmen ist wie es manchmal dargestellt wird.
@rouge
Mit Ruhm haben sich die Jungs sicher nicht bekleckert, aber unter dem Strich fand ich es jetzt nich so schlimm.
Am meisten hat wohl einfach geschmerzt, dass zuwenig Geräte vorrätig waren, aber wie gesagt: Das ist ja nichts neues im Apple-Lager