Es gibt ein Bild in jüngster Vergangenheit, bei welchem mich der Autofokus der Canon mal wieder fast in den Wahnsinn trieb (ok, ist übertrieben. Es hat aber etwas Geduld gekostet).

Diese kleine Spinne war nur wenige Millimeter gross. Im Sucher meiner Canon 50D war das Teil zusammen mit dem Canon EF-S 60 f/2.8 USM Objektiv so gross wie ein AF-Punkt auf der Mattscheibe.
Der Autofokus wollte aber strikt diese Spinne nicht finden. Also half ich ihm manuell nach, hatte das Ding nun drin und drückte den Auslöser halb runter, in Annahme, dass der AF nun den explizit ausgewählten AF-Punkt ebenfalls als scharf betrachtete. Leider aber fokussierte der AF wieder auf das Grünzeug im Hintergrund. Also suchte ich wieder auf das neue die sehr kleine Spinne mit dem Sucher… das machte ich ca 3-4mal, bis mir dieses Bild dann gelang.
Die Lösung war: AF ausschalten, manuell fokussieren. Das Ergebnis ist aber nur mässig.
Warum Nikon?
In Vergleichen liest man dass Nikon in Sachen Autofokus deutlich besser sein soll. Also dachte ich mir, teste ich das doch mal selbst. Ich hab mir also kurzerhand eine Nikon D300s gekauft. Auf ricardo.ch ersteigerte ich dann noch relativ preiswert ein bildstabilisiertes Nikon AF-S 105 f/2.8 Objektiv.
Nikon hab ich mir ja schon bei der Evaluation der Canon 50D angeschaut. Da war aber nur die D90 ein Thema. Die Ergonomie war aber der Schlüsselpunkt für Canon. Die Bedienelemente fand ich bei Canon etwas optimaler platziert. Die D90 hat zwei Knöpfe rechts vom Display (AF und Seriebild/Selbstauslöser), welche ich für unerreichbar halte ohne die Hand vom Griff zu nehmen. Und das Wählrad unter dem Auslöser finde ich als Canon-User ebenfalls “gewöhnungsbedürftig”. Hier halte ich Canon’s Lösung optimaler (Auslöser und Wählrad von der Platzierung her vertauscht).

Die D300s vermag aber in gewissen Punkten wieder “aufzuschliessen”. Einerseits gibt es keine Automatik Programme (analog Canon 7D), welche unnötig Platz benötigen, andererseits sind viele Einstellungen via separaten Knöpfen oder Schalter direkt veränderbar und alle Elemente lassen sich prima erreichen, ohne grosser Fingerakrobatik. Das Bedienelement, das anstelle des Moduswählrades verbaut wurde, liebe ich bereits jetzt (links im Bild). Ich erwarte auch, dass die 51 AF-Punkte hier einen entscheidenden Vorteil bringen (Canon 50D hat 9 AF-Kreuzsensoren). Natürlich ist das eine Wählrad aber noch immer unter dem Auslöser… ;-)
Und jetzt?
Dieses Weekend ist mein Bruder mit einem Grossteil meines Equipments unterwegs. Daher kann ich noch keinen 1:1 Vergleich machen. Ich will aber mit beiden Kameras mal eine kleine Teststrecke machen. Der Bildstabi des Nikon-Objektivs wird zum fairen Vergleich selbstverständlich ausgeschaltet, mein Cullmann 525M Stativ soll faire Bedingungen schaffen und der Autofokus wird bei beiden Kameras identisch konfiguriert.
Nebst dem Makro-Test (Haupttest, da sich dort die für mich wichtigen AF-Eigenschaften zeigen) werde ich noch einen Test mit einem Standard-Objektiv machen. Hier hab ich an der Canon seinerzeit ein Tamon SP 17-50 f/2.8 VC gekauft. An der Canon hatte ich mit dem Objektiv schon viel Freude: Ist sehr scharf, lichtstark, bildstabilisiert und fokussiert schnell. Das gleiche Objektiv hab ich nun ebenfalls nochmals für Nikon gekauft. Damit kann ich dann einen effektiven 1:1 Test erstellen.
Nebst Schärfe wird aber auch die Bildqualität im Allgemeinen bewertet. Hier werd ich erst in Apple’s Aperture mein Fazit ziehen können. Von der Auflösung her erwarte ich keine allzugrossen Unterschiede… 13MP bei der Nikon vs. 15MP bei der Canon. Rausch- und Low-Light-Verhalten könnte da aber schon eher entscheiden… und die chromatische Abweichungen (welche wiederum aber auch nachträglich korrigert werden können).
Der Gewinner darf fortan seinen Platz in der Fototasche (wieder) einnehmen; der Verlierer wird inkl. Objektiven verkauft – schliesslich muss ich die temporären und nicht gerade geringen Investitionen irgendwie wieder etwas relativieren ;-) Update folgt
Kannst Du überhaupt in der Praxis einen richtigen Vergleich beider Kameras bezüglich des AF’s ziehen? Also ohne einen Test unter Laborbedingungen?
Natürlich würde ich es begrüssen wenn du zur Nikon wechselst. Wobei, wenn nicht, musst du ja dein 105er Makro wieder verkaufen ;)
Meiner Meinung nach hat die D300s viele Vorteile gegenüber der Canon: Bedienung, Geschwindigkeit, Rauschverhalten.
Die Frage ist ja auch, ob du mit der Ergnomie der Nikon zurecht kommst. Es bringt auch nichts wenn diese vielleicht einen besseren AF hat, aber Dir die Bedienung der Regler immer mühe bereitet.
Ich würde nicht fix auf vergleiche mit dem AF gehen sondern einfach 1-2 Wochen die Nikon ausgiebig testen, die Canon auch mal zuhause lassen und dann entscheiden ob diese Kamera die richtige ist.
In der Praxis kann ich seit gestern nun sogar sehr gut vergleichen, da ich nun für beide Kameras ein Tamron SP 17-50 f/2.8 VC hab. Somit ist ein Linsen-Vorteil schon mal ausgeschlossen und nur noch der Body zählt.
Ich hab die Nikon nun schon oft verwendet, ich war am Sonntag auch nur mit der Nikon unterwegs (Heuschrenken), ohne mit dem Canon-Backup.
Insofern kann ich dir zustimmen, dass es Vorteile gegenüber der Canon gibt. Ich würde nun aber nicht gerade Bedienung und Geschwindigkeit besonders hervorheben. Und bez. Rauschverhalten hab ich bei meinen Einsätzen auch noch nichts festgestellt (ok, war auch stets nur mit ISO 200-400 unterwegs).
Geschwindigkeit befinde ich als identisch: 6.3B/s bei der Canon vs. 7B/s. Für mich sind beide schnell (und wenn ich es mit der 7D von Canon vergleiche, sieht es wieder anders aus: 8B/s). Auch beim AF-Speed, der Zeit von Off bis Aufnahme oder anderen Zeit-bezogenen Spezifikationen sehe ich bei meinen Einsätzen keine Unterschiede.
Bei der Bedienung gibt es gerade an der Nikon D300s viele Punkte für Schnellzugriffe (AF-Messung, AF-Drive (AF-C, AF-S, AF-M),…), was an der Canon anders funktioniert (AF-Messung), oder leicht länger dauern kann (AF-Drive). Aber es gibt auch Punkte, welche mir an der Canon besser gefallen: Das Wählrad hinten auf der Canon finde ich z.B. ganz toll. Gerade beim Betrachten von Bildern. Oder mein Lieblingsthema: Das Wählrad beim Auslöser!
Was mich an der Nikon noch etwas fobbt sind zwei Dinge:
Ich hab noch nicht raus gefunden, wo und ob ich der Nikon einstellen kann, dass sie nach einer Minute (oder so) automatisch ausschaltet (ein Feature, dass bei meiner Canon sehr schätze).
Weiter würde ich gerne einstellen, dass wenn ich den Play-Button wähle, das Bild solange angezeigt wird, bis ich entweder den Auslöser, oder die Play-Taste erneut drücke. Aktuell sind gefühlte 10sec einfach zuwenig. Das sind aktuell noch eindeutige Punkte für Canon.
Aber im Grossen und Ganzen hab ich mich an die Ergonomie der Nikon schon gut gewöhnt… um nicht zu sagen ‘zu gut’… (bis auf das Wählrad beim Auslöser ;-))
Beim meinem Auslöse-Kriterium dieses Vergleichs, dem AutoFokus, hab ich bisher nur marginale Unterschiede festgestellt, welche man aber bei meinen Einsätzen vernachlässigen kann. Meine bisher einzige Erkenntnis war, dass bei schlechter werdendem Licht der AF der Nikon etwas zuverlässiger arbeitet. Die Canon krieg es auch hin, braucht dann aber etwas länger als sonst. Merkt man aber nur im 1:1 Vergleich.
hmmmm mal technisch gesehen hat das aus meiner sicht überhaupt nichts mit dem AF zu tun!
dein objektiv (EF-60mm) hat eine naheinstellgrenze von 20cm (hast du diese eingehalten?)
ich nehme mal an das du bei 2.8 fotografieren wolltest? was beim minimalen absand von 20cm mit dem 60mm objektiv auf der 50D ein DOF (schärfentiefe, tiefenschärfe) von 0.08cm gibt!!
das foto kann also so gar nicht scharf aus der kamera kommen :-)
gruss mamo
Hoi Mamo
Ja, die oben beschriebene Situation ist ganz klar als extrem-Setup zu sehen. Das mit dem DoF kommt hin, da ich mit f/2.8 gearbeitet haben könnte. Auch war das Motiv wirklich einfach sehr winzig.
Mein 1:1 Vergleich, den ich kurz darauf machte, relativierte denn auch allfällige Schwächen im Canon-AF. Nikon konnte da nicht den mir von allen Nikon-Usern beschriebenen Vorteil erbringen. Wie ich schrieb, scheint aber der in der D300s verbaute AF bei abnehmendem Licht noch etwas besser zu arbeiten, als Canon’s AF in der 50D. Wenn ich den Vergleich fair mit der 7D gemacht hätte, ware eventuell ein anderes Ergebnis heraus gekommen.
Schlussendlich waren denn aber auch nicht die effektiven Kameraeigenschaften- und Verhalten entscheidend, sondern die Ergonomie der D300s… war also schlussendlich eine subjektive Entscheidung zugunsten Nikon. Objektiv waren die Unterschiede in meinem Einsatzgebiet viel zu marginal.