
In der letzten Automobil-Revue hab ich den neuen IFR Aspid gesehen. Der Wagen wird von IFR, einer spanischen Firma gebaut, welche mit dem Aspid ihre Ingenieursfähigkeit beweisen wollen. Und das scheint den Jungs rum um Ignacio Fernandez Rodriguez (IFR) dermassen gut gelungen zu sein, dass sich so ziemlich jeder grosse Autohersteller ein Beispiel daran nehmen sollte.
Die Firma IFR hat es geschaft, ein extrem sportliches Auto zu bauen, welches Sparsamkeit und Fahrfreude in perfektion zusammen bringt. Denn, die 5,5 Liter im Titel dieses Posts sind keine Aussage über den Hubraum des verbauten Motors, sondern der Verbrauch auf 100km! Als Basis dient ein Honda Hochdrehahlmotor, den man von S2000 bereits kennt. Vom oben abgebildeten Aspid gibt es daraus zwei Versionen: die “schwache” Version holt aus dem Motor 270PS (Honda S2000 hat 240PS), was den knapp 700kg leichten Wagen binnen 3,7s auf 100km/h katapultiert. Wer mehr als 95’000€ ausgeben will, kann auch zum 40’000€ teureren, stärkeren, 740kg schweren Modell greifen. Der selbe 2 Liter Motor wird dann von einem Kompressor unterstützt, was bei 8600upm 402PS über die Hinterachse ablässt. Damit lässt sich ein Paradesprint innerhalb von 2,8s vorführen.

Als Getriebe steht ein manuelles 6-Gang-Getriebe oder eine robotorisierte sequenzielle Variante im Angebot. Wiederum sehr eigen ist die Umsetzung der Bremsanlage. Man findet pro Rad nicht eine, sondern zwei Bremsscheiben vor (Bild). Dadurch können dünnere, leichter kühlbarere Scheiben verbaut werden. Auch die Bremszangen müssen dadurch nicht mehr so gross ausfallen, was zusammen das ungefederte Gewicht stark reduziert. Und ach ja: die Bremsleistung ist dadurch auch noch verbessert worden. IFR nennt ihre patentierte Konstruktion TDB, was für Twin Disc Brake steht.
Auch im Innenraum hält man sich nicht an die üblichen Konventionen. Man hat bewusst auf viele Einzelanzeigen und -Schalter verzichtet. Es gibt nur zwei Displays. Eins im Lenkrad für die wichtigen Fahrerinformationen und ein grösserer Touchscreen in der Mittelkonsole. Das bringt sicher im Zusammenhang mit der einfacheren Anpassung für Rennsporteinsätze mehr Übersicht in der ganzen Verkabelung. Ob man damit auch relevante Gewichtsersparnisse erzielt, entzieht sich meiner Kenntnis. Was ich mir aber vorstellen könnte ist, dass diese radiale Reduktion die elektrischen (Grund-)Verbraucher reduziert (wenn ich da mein S6 ansehe, der so ziemlich jede Ecke mit Ambiente-Lichtern ausleuchtet…), was wiederum Verbrauchsoptimierend Einfluss hätte.

Es geht aber noch weiter: Das Auto hat eine offene Software-Architektur! Es können also später neue Applikationen für die Fahrzeugüberwachung oder Unterhaltung eingespielt werden. (und jetzt kommts) Die Basis der Software ist Microsoft Windows Mobile! <sarkasmus>Das Auto fährt also mit Microsofts Handy-Software. Muss ich dann auch Service Packs via Windows Update einspielen? Wie siehts mit der Virengefahr aus? Wie oft muss ich mit Abstürzen rechen pro 100km? …</sarkasmus>. Ok, neutral betrachtet ist das ja eigentlich keine Schlechte Idee. Denn die Programmierung ist verhältnismässig einfach. Das lässt ein grosses Angebot an Erweiterungen erwarten.
Wer nun denkt, mit dem Aspid einen puristischen (den FIA-Vorgaben für Renneinsätze entsprechenden) strassenzugelassenen Flitzer ohne jeglichen Komfort zu kriegen, liegt richtig. Aber man kann sich dank diversen Optionen den Wagen auch etwas komfortabler ausstatten: Xenon-Licht, Klimaanlage, Parksensoren, Premium-Hi-Fi, Navigation,… gibt es alles. Wer mehr über den Wagen erfahren möchte, holt sich die Automobil-Revue 5/09 oder geht auf www.aspidcars.com. Auch auf YouTube findet man ein paar Videos vom Wagen.

Worauf ich aber nun damit heraus will ist folgendes: Irgendwie bringt es kein anderer Autohersteller fertig, Leistung mit Sparsamkeit zu verbinden. Und mit Leistung meine ich alles, was über 200PS liegt! Ich will/darf hier sicher nicht predigen. Mein Audi S6 ist hier wohl fast schon das schlechte Beispiel. Aber der Markt wird nun mal primär von Autos bedient, welche immer schwerer werden, was wieder mehr Leistung braucht, was in der Regel zu mehr Verbrauch führt. Als Alternativ wird mir ein Smart angeboten, der mit einem Liter Hubraum 85PS her gibt, aber auch zwischen 4-5 Liter Benzin benötigt. (Ich motze nicht über Smart, führ selbst 3 Jahre einen Roadster).
Was will ich denn mehr? Ich will ein sportliches Auto, aber es soll nicht viel verbrauchen. IFR zeigt mit dem Aspid, dass es geht – sogar ohne Motoren selbst von Grund auf neu zu entwickeln. Es sollte doch möglich sein, ein 4/5-türiges Auto auf ein Gewicht von 1-1,2 Tonnen runter zu kriegen und da dann den 402PS starken 2 Liter Kompressor-Motor einzustzen ;-). Ein Verbrauch von dann 6-7 Liter würde sicher mancher in Kauf nehmen. Mir ist aber auch klar, dass IFR das nur dank sehr viel Karbon erreichen konnte, was nun mal sehr teuer ist und sich auch im Kaufpreis des Aspid wieder spiegelt. Dennoch.









