402 Pferde mit 5,5 Liter

IFR Aspid

In der letzten Automobil-Revue hab ich den neuen IFR Aspid gesehen. Der Wagen wird von IFR, einer spanischen Firma gebaut, welche mit dem Aspid ihre Ingenieursfähigkeit beweisen wollen. Und das scheint den Jungs rum um Ignacio Fernandez Rodriguez (IFR) dermassen gut gelungen zu sein, dass sich so ziemlich jeder grosse Autohersteller ein Beispiel daran nehmen sollte.

Die Firma IFR hat es geschaft, ein extrem sportliches Auto zu bauen, welches Sparsamkeit und Fahrfreude in perfektion zusammen bringt. Denn, die 5,5 Liter im Titel dieses Posts sind keine Aussage über den Hubraum des verbauten Motors, sondern der Verbrauch auf 100km! Als Basis dient ein Honda Hochdrehahlmotor, den man von S2000 bereits kennt. Vom oben abgebildeten Aspid gibt es daraus zwei Versionen: die “schwache” Version holt aus dem Motor 270PS (Honda S2000 hat 240PS), was den knapp 700kg leichten Wagen binnen 3,7s auf 100km/h katapultiert. Wer mehr als 95’000€ ausgeben will, kann auch zum 40’000€ teureren, stärkeren, 740kg schweren Modell greifen. Der selbe 2 Liter Motor wird dann von einem Kompressor unterstützt, was bei 8600upm 402PS über die Hinterachse ablässt. Damit lässt sich ein Paradesprint innerhalb von 2,8s vorführen.

IFR Aspid TDB (Twin Disc Brake)

Als Getriebe steht ein manuelles 6-Gang-Getriebe oder eine robotorisierte sequenzielle Variante im Angebot. Wiederum sehr eigen ist die Umsetzung der Bremsanlage. Man findet pro Rad nicht eine, sondern zwei Bremsscheiben vor (Bild). Dadurch können dünnere, leichter kühlbarere Scheiben verbaut werden. Auch die Bremszangen müssen dadurch nicht mehr so gross ausfallen, was zusammen das ungefederte Gewicht stark reduziert. Und ach ja: die Bremsleistung ist dadurch auch noch verbessert worden. IFR nennt ihre patentierte Konstruktion TDB, was für Twin Disc Brake steht.

Auch im Innenraum hält man sich nicht an die üblichen Konventionen. Man hat bewusst auf viele Einzelanzeigen und -Schalter verzichtet. Es gibt nur zwei Displays. Eins im Lenkrad für die wichtigen Fahrerinformationen und ein grösserer Touchscreen in der Mittelkonsole. Das bringt sicher im Zusammenhang mit der einfacheren Anpassung für Rennsporteinsätze  mehr Übersicht in der ganzen Verkabelung. Ob man damit auch relevante Gewichtsersparnisse erzielt, entzieht sich meiner Kenntnis. Was ich mir aber vorstellen könnte ist, dass diese radiale Reduktion die elektrischen (Grund-)Verbraucher reduziert (wenn ich da mein S6 ansehe, der so ziemlich jede Ecke mit Ambiente-Lichtern ausleuchtet…), was wiederum Verbrauchsoptimierend Einfluss hätte.

Aspid Innenraum

Es geht aber noch weiter: Das Auto hat eine offene Software-Architektur! Es können also später neue Applikationen für die Fahrzeugüberwachung oder Unterhaltung eingespielt werden. (und jetzt kommts) Die Basis der Software ist Microsoft Windows Mobile! <sarkasmus>Das Auto fährt also mit Microsofts Handy-Software. Muss ich dann auch Service Packs via Windows Update einspielen? Wie siehts mit der Virengefahr aus? Wie oft muss ich mit Abstürzen rechen pro 100km? …</sarkasmus>. Ok, neutral betrachtet ist das ja eigentlich keine Schlechte Idee. Denn die Programmierung ist verhältnismässig einfach. Das lässt ein grosses Angebot an Erweiterungen erwarten. 

Wer nun denkt, mit dem Aspid einen puristischen (den FIA-Vorgaben für Renneinsätze entsprechenden) strassenzugelassenen Flitzer ohne jeglichen Komfort zu kriegen, liegt richtig. Aber man kann sich dank diversen Optionen den Wagen auch etwas komfortabler ausstatten: Xenon-Licht, Klimaanlage, Parksensoren, Premium-Hi-Fi, Navigation,… gibt es alles. Wer mehr über den Wagen erfahren möchte, holt sich die Automobil-Revue 5/09 oder geht auf www.aspidcars.com. Auch auf YouTube findet man ein paar Videos vom Wagen.

IFR Aspid

Worauf ich aber nun damit heraus will ist folgendes: Irgendwie bringt es kein anderer Autohersteller fertig, Leistung mit Sparsamkeit zu verbinden. Und mit Leistung meine ich alles, was über 200PS liegt! Ich will/darf hier sicher nicht predigen. Mein Audi S6 ist hier wohl fast schon das schlechte Beispiel. Aber der Markt wird nun mal primär von Autos bedient, welche immer schwerer werden, was wieder mehr Leistung braucht, was in der Regel zu mehr Verbrauch führt. Als Alternativ wird mir ein Smart angeboten, der mit einem Liter Hubraum 85PS her gibt, aber auch zwischen 4-5 Liter Benzin benötigt. (Ich motze nicht über Smart, führ selbst 3 Jahre einen Roadster).

Was will ich denn mehr? Ich will ein sportliches Auto, aber es soll nicht viel verbrauchen. IFR zeigt mit dem Aspid, dass es geht – sogar ohne Motoren selbst von Grund auf neu zu entwickeln. Es sollte doch möglich sein, ein 4/5-türiges Auto auf ein Gewicht von 1-1,2 Tonnen runter zu kriegen und da dann den 402PS starken 2 Liter Kompressor-Motor einzustzen ;-). Ein Verbrauch von dann 6-7 Liter würde sicher mancher in Kauf nehmen. Mir ist aber auch klar, dass IFR das nur dank sehr viel Karbon erreichen konnte, was nun mal sehr teuer ist und sich auch im Kaufpreis des Aspid wieder spiegelt. Dennoch.

Audi S6 Avant 5.2 V10 quattro

Dieses Thema wartet eigentlich schon länger darauf, hier nieder geschrieben zu werden. Ich habe den 16 Monate alten Seat Leon Cupra, welcher auf 300PS getunt war, gegen ein anderes Fahrzeug eingetauscht. Diese Tatsache ist eigentlich auch nicht mehr so brandneu, da es bereits mitte November geschah. Aber am 01.01.2009 in den frühen Morgenstunden fand noch das Erlebnis statt, welches mich nun doch zu diesem Post hier bringt. Aber beginnen wir von Vorne:

Der Seat war für mich eigentlich stets ein sehr sportliches und extrem agiles Auto. Da ich aber nun mal täglich gut 45km Autobahn zur Arbeit und wieder zurück fahre (inkl. Stau/zähfliessendem Verkehr), entsprach dieser handgeschaltete, tiefer gelegte Sportwagen nicht ganz meinen Anforderungen. Klar, der Turbomotor ermöglichte ein sehr schaltfaules Fahren – waren doch selbst bei niedrigeren Drehzahlen immer noch genügend Leistungsreserven abrufbar. Und ja, hin und wieder überkam es mich und ich musste die Leistung in Tunnels akustisch “offenlegen”. Spässe, welche ich machen konnte, ohne in der 100km/h-Zone gleich auf 140 hoch gehen zu müssen. 

Mein Traum aber war es schon länger, einmal einen Motor zu fahren, der mit mehr als 4 Zylinder den stets teurer werdenden Benzin verbrennt. Natürlich mit dem Wissen, dass die Erfüllung des Traums mit Mehrausgaben beim Tankwart verbunden waren. So ein 6 Zylinder Motor, welcher sich in gut 3 Liter Hubraum austobt, wäre meine realistische Einschätzung gewesen. 

q7muranox3q5

Ich habe mir dann diverse Fahrzeuge angesehen. Ein SUV wäre nett, aber wie soll ich mit Q7&Co. in Parkhäuser parken können? Da ich auch noch oft bei Kunden bin, war dies ein sehr wichtiges Entscheidungskriterium. Ich schaute mir dann mal den neuen Nissan Murano an. Der Motor wäre mit 3.5 Liter Hubraum auf 6 Zylinder eigentlich ideal. Ich möchte aber auch ein Motor, der seine Grösse in einen Vorteil aufzeigen kann. Und da fiel der Murano wieder raus: 8s für den Paradesprint 0-100km/h, gut 11 Liter/100km, für knapp 300PS. Ich suchte dann doch eher etwas sportlicheres. Auch der BMW X3 war lange in der engeren Auswahl: sportlicher Motor, ideale Abmessungen und gute Verarbeitung, Haptik und Materialwahl (mir extrem wichtig). Das Aussendesign aber ist auch schon etwas in die Jahre gekommen. Ich erwarte eigentlich täglich die Meldung von BMW über das Nachfolgemodell. Und der erst kürzlich erschienene Audi Q5? Motor, Design, Verarbeitung,… alles Bestens. Aber irgendwie finde ich, dass es nicht angehen kann für ein Auto dieser Grösse 100’000 CHF auszugeben (ausgestattet).

Und dann sah ich bei der Avus Auto AG plötzlich einen Audi S6. Die Garage kenne ich nun schon ein paar Jahre – hab ich meine letzten 3 Autos doch schon dort vom Hof gefahren. Ein S6 erschien mir aber einfach nicht realistisch. Der Motor säuft sicher zuviel und auch Versicherung und Strassensteuer ist sicher nicht bezahlbar. Aber man konnte sich ja mal schlau machen. …www.audi.ch

audi-s6audi-s6-innenraum

Tja, 5.3s und ich bin auf 100km/h; im Schnitt soll er 12.6l/100km in Vortrieb umwandeln; 435 Pferdchen welche im Verhältnis 40:60 auf die Achsen gelassen werden und so ein Drehmoment von 540Nm anlegen… Werte, welche auf dem Papier ganz ordentlich aussehen und vorallem im Vergleich zum Murano effizienter erscheinen. Notitz am Rande: Der Motor ist im Konzern schon etwas länger im Einsatz, findet man ihn doch leicht geändert auch im Lamborghini Gallardo.

Wegen den Versicherungen wollte ich mich bei Comparis schlau machen, aber aufgrund eines Bruttoneupreises von über 100’000CHF, war das leider nicht möglich. Also holte ich die Offerten selbst ein. Die Kosten dafür laufen schon recht extrem von Gesellschaft zu Gesellschaft auseinander (zwischen 2700-4300 pro Jahr). Aber auch das schreckte mich nicht so ab. Irgendwie hatten meine Vorurteile noch nicht so recht Bestätigung gefunden.

audi-s6-von-hintenaudi-s6-von-vorne

Also ab zur Probefahrt: Dem S6 schien kein einziges Feature zu fehlen… und auch der 5.2 Liter 10-Zylinder-Motor scheint sein Versprechen zu halten. Aber ohne einem Turbolader scheint die Beschleunigung nicht so agil. Achtet man aber auf die Nadeln, wird man über die Relativ-Verschiebungen ausserhalb des Dämmglases eines besseren belehrt. Der angegebene Verbrauch scheint ebenfalls möglich, wenn man denn nicht stets alle Pferde im Galopp freien Lauf lässt. (Meine gut 6 Wochen mit dem Fahrzeug haben einen Schnittverbrauch zwischen 12,6-13,2 ergeben, je nach Strecke und Fahrweise.)

audi-s6-von-innenaudi-s6-motor

Ich konnte mich nun schon von diversen Optionen überzeugen lassen. HomeLink für den Garagentor-Öffner, DAB-Radio für Unterwegs (und DVB-TV im Stehen), Abstandstempomat, Standheizung und so weiter. Einzig der Allradantrieb quattro konnte bis eben dem 01.01.09 Frühmorgens noch nicht sein wahres Potential zeigen. Nach Silvester fuhr ich durch den gut 20cm tiefen Neuschnee nach Hause. Zu Hause angekommen, ruft mich mein Bruder an: Er komme mit seinen frontangetriebenen Auto (Marke und Modell lassen wir mal weg) nicht mehr zu seiner Garage hoch. Nicht mal der Besucherparkplatz gleich neben der gräumten Hauptstrasse erreiche er wegen der leichten Steigung nicht mal mehr. Er musste sich sogar von ein paar Jungs, welche dort rum standen wieder in die richtige Richtung schieben lassen…

Also lies er sein Auto bei mir und wir machten uns im Audi S6 auf den Weg. Wir waren beide nun sehr gespannt, wie gut sich nun ein allrad-angetriebenes Fahrzeug schlägt. Wie weit er wohl kommen würde? Erinnerung an einen Audi-Spot kamen mir in den Sinn, als ein A6 quattro eine Skischanze hoch fuhr. Seine Einfahrt kam: Weg von der Hauptstrasse, rein in die Quartierstrasse. Die Jungs standen immer noch dort rum… jetzt bloss keine Blösse. Die erste Steigung am Besucherparkplatz vorbei aber fuhr der quattro ohne auch nur irgendwie mit der Elektronik offensichtlich helfen zu müssen. Dann aber standen wir vor dem steileren Teil zwei des Weges. Ich wurde übermütig: Kann der Audi sogar den steileren noch unbefahrenen Weg hoch zum Hauseingang bewältigen? Und als ob nichts wäre, fuhr er auch diese Strasse hoch, als ob da gar kein Schnee liegen würde. Muss zugeben, ich erwartete irgendwie, dass er es schafft. Aber ich hätte mit Einsatz von ESP und Co gerechnet. Schliesslich zieht ein Leergewicht von 2045kg bergab. Und ob 275′er auf 19″ Felgen die ideale Dimensionen für Winterpneus sind, weiss ich auch nicht. Aber irgendwie scheint es zu passen. 

Ich für meinen Teil bin mit dem Audi sehr glücklich. Auch die Benzinpreise befinden sich aktuell auf einem idealen Niveau. Mal sehen, wie lange ich den Durst der 5.2 Liter Hubraum zu stillen vermag.

Mein Highlight vom Autosalon Genf

Ich war ja am letzten Freitag mal wieder nach Genf gepilgert. Diesmal ganz grün mit dem Zug! Wie es zu erwarten war, war die Bude (Palexpo-Gelände) mal wieder voll. Das machte den Tag erwartungsgemäss etwas anstrengend. Aber bei SEAT konnte ich mir noch ein Bierchen rein ziehen. So gestärkt überstanden wir dann auch den Rest des Geländes.

Mein Highlight dieses Jahr ist wohl der KTM X-Bow. Ich bin ja Fan solcher puristischen Fahrzeugen. Persönlich finde ich einen Caterham (Lotus Super7) oder Ariel Atom sehr interessant. Der KTM ist davon wohl die High-Tech-Variante (ok, der Ariel Atom ist auch nicht gerade ohne, aber eine Strassenzulassung wird der hier wohl nie kriegen). Als besonderes Highlight soll man damit wirklich auch auf die Strasse dürfen. Hier mal ein kleiner Vorgeschmack, für alle jene, welche unter einem KTM X-Bow sich nichts vorstellen können:

Von was ich da eigentlich spreche? Nun 240 PS aus dem bekannten Audi 2.0 TFSI Motor beschleunigen die 750 kg innerhalb 3.9 sec auf 100 km/h. Mit den 305/262mm grossen Bremsscheiben vorne/hinten steht das Teil dann nach 33.1m auch wieder bei 0. Und ach ja,… so rund 50’000 € soll er kosten.