Die Herausforderung Lensbaby

Ich habe mir vor Wochen ein Lensbaby Composer zu meiner Nikon D300s gekauft. Zusammen mit dem Lensbaby auch gleich noch ein paar Zubehör-Teile: Makro-Kit, Wide- und Tele-Aufsätze, das Creative Aperture Set und den Fisheye-Einsatz. Warum? Inspiriert von Chm’s Bilder mit dem Lensbaby Composer wollte ich selbst mal mit einem Objektiv spielen, welches weder Bildstabi noch Autofokus hat, dafür aber eine Optik, welche neue neue Herausforderung darstellt.

Wie man dem Bild oben erkennt, ergibt sich mit dem hier verwendeten Double Glass Einsatz eine Verzerrung. Der Witz: Dass die Verzerrung in die linke untere Ecke verläuft, habe ich am Objektiv so bewusst gewählt. Es hört sich nun aber einfacher an, als es ist. Das Lensbaby Composer ist ein Objektiv, welche ein Kugelgelenk drin hat. Man verändert nun also den Winkel am Kugelgelenk und stellt dann manuell den Fokus ein. Falls der Winkel nicht so recht mit dem gewünschten Fokuspunkt überein stimmt, kriegt man das Bilder nicht so richtig hin – man braucht unweigerlich also länger für ein Bild.

Das ist aber noch nicht alles: Das Objektiv ist eigentlich ein Baukasten: Die Blende wählt man vor dem Foto bewusst aus, denn diese muss als Einsatz von Hand ins Objektiv gelegt werden. Wenn ich also mit f/2.8 (wie oben) schiessen will, muss die f/4-Blende raus und die f2/.8 rein – nix mit Einstellen am Einstellrädchen an der Kamera. Womit wir auch gleich bei einer weiteren Challenge sind: Die Kamera kann nur noch eine Belichtungsmessung vornehmen. Der komplett manuelle Modus ist somit unabdingbar, da die Kamera ja nicht mit der Blende etwas kompensieren könnte.

Mit dem Makro-Aufsatz (bestehend aus 2 kombinierbaren Nah-Filter), lassen sich ebenfalls sehr ansprechende Bilder erstellen. Auch ganz interessant: Das Fisheye! Damit lassen die klassischen Fisheye-Bilder erstellen. Entgegen dem Double-Glass-Einsatz ist mit dem Fisheye-Einsatz die Schärfe eher gleichmässig verteilt…

… es sei denn, man “reduziert” die Entfernung zum Motiv etwas, was mehr ein sehr krasses DoF ergibt:

Was “reduziert” heisst? Nun, das Bild oben ist mit dem unten abgebildeten Setup entstanden:

Ach ja… Das Creative Aperture Set besteht eigentlich nur aus ein paar Einsätzen, welche anstelle der üblichen Blenden einsetzt werden. So lassen sich mit der Stern-Blende Fotos wie das folgende erstellen:

Ja, ich übe noch, aber es macht enormen Spass! Das Lensbaby schafft eine komplett neue Herausforderung. Und das gefällt mir echt gut!

Weitere Fotos findet ihr in meiner Flickr Library.

And the winner is…

Ich habe meine Tests mit der Canon 50D gegenüber der Nikon D300s abgeschlossen! Zeit ein Fazit zu ziehen. Die Grundlage für meine Entscheidung waren diverse Tests, welche ich in den letzten Tagen durchgeführt habe.

Ich war zu aller erst mit beiden Kameras in der Abendsonne unterwegs, Makrobilder zu schiessen. Die Bedienungen waren zwar nicht ganz ausgeglichen, da auf der Nikon ein bildstabilisiertes Nikon 105 f/2.8 Objektiv war, während die Canon “nur” das 100 f/2.8 USM Makro-Objektiv anwenden konnte. Der Bildstabi kann im Abendlicht noch manches Bild “retten”, bedingt durch die länger werdenden Verschlusszeiten.

Libelle mit Canon 50D und Canon EF 100 f/2.8 USM

Mit beiden Kameras konnte ich aber prima Bilder schiessen. Den einzigen Unterschied den ich im 1:1 Vergleich bemerken konnte, war der, dass die Canon bei schlechten Lichtverhältnissen minim mehr Zeit für die Fokussierung benötigte. Ein marginaler Unterschied, den man aber effektiv nur im 1:1 Vergleich bemerkt… denke ich. Randbemerkung: Ja, man wird kritisch und oder lächelnd angesehen, wenn man mit 2 DSLR’s in einer Wiese rum kniet… ;-)

Biene mit Nikon D300s und Nikkor AF-S 105 f/2.8 VR

Ich erhielt also nicht den Unterschied, der eine Entscheidung frühzeitig ausmachen hätte können. Beide Cameras vermochten zu gefallen.

Es folgte dann ein Vergleich, wo beide Body’s ein Tamron 17-50 f/2.8 VC montiert kriegten. So konnte ich Objektiv-neutral die Leistungen der Bodys und deren Bildverarbeitungen vergleichen. Der erste Test damit musste mir das Verhalten der chromatischen Abweichungen aufzeigen. Bei der Canon weiss ich, was ich kriege, da ich die Objektiv-spezifischen CA-Eigenschaften derweil schon oft beobachten konnte. Die Nikon – so sagte man mir – behebe das intern in der Bildbearbeitung. Nun, entweder muss man da irgendwo noch eine Option aktivieren, welche ich aber bisher nicht finden konnte, oder aber das Ergebnis ist effektiv das, dass der Unterschied eher gering ist.

CA bei Canon 50D links und Nikon D300s rechts (Klick für gross)

Abschliessend hab ich heute noch ein Test mit Low-Light gemacht. Ich bemerkte, dass die Nikon ein anderes Bild lieferte. Der Weissabgleich war nicht so warm wie der der Canon (mit AWB). Beim Rauschverhalten hätte ich ein dezent besseres Ergebnis der Nikon zugeschrieben… meine Möglichkeiten sind aber begrenzt in der Auswertung von so was, weshalb ich das nicht in meine Wertung einbeziehe. Bei ISO 3200 aber rauscht es bei beiden etwa gleich. Die Rauschunterdrückung war bei beiden auf Standard. Eine Option dafür findet man ja nicht nur bei Nikon, sondern auch bei Canon in den Custom-Functions.

aber was mach ich nun?

Ja, die Resultate machen es mir nicht leicht. Objektiv betrachtet muss mein Fazit heissen: bleibe bei Canon. Bei Canon hab ich 5 Objektive, einen Battery-Grip (mit 2. Akku) und einen Fernauslöser/Timer. Bei Nikon sind es erst 3 Objektive, kein Battery-Grip und auch kein Fernauslöser. Das bestehende Equipment müsste die Entscheidung also ausmachen, denn die erzielten Testresultate an und für sich lieferten zu geringe bis gar keine Unterschiede ans Licht!

Aber die Nikon konnte mich während den Test mit anderen “Details” begeistern: ein Autofokus mit 51-Punkten, formatieren der CF-Karte indem man 2 Tasten lange drückt, Zurücksetzten aller Settings (ISO, WB, Qualität,…) indem man 2 Tasten lange drückt, 2 Kartenplätze (CF+SD) inkl. der Konfigurationsmöglichkeiten von Extend/Backup/Split(RAW/JPEG) oder ein Quiet-Modus der den die Spiegelbewegungen dem Auslöser voll anpasst und ohne Peep-töne beim Fokussieren (was ich sonst aber will) die Käfer oä entspannter bleiben lässt. Das konnte ich selbst testen. Grashüpfer flohen messbar schneller, als bei Fotos, welche im Quiet-Modus gemacht wurden.

Auch die Schalter für AutoFokus-Messung, AutoFokus-”Drive” und der Belichtungsmessung finde ich nett. Nichts, wofür Canon nicht auch eine Lösung hat, welche vom Zeitaufwand her für eine Umstellung nicht wirklich mehr benötigt. Aber Nikons Ansatz gefällt mich echt gut.

Ich könnte da noch diverse Dinge aufführen, welche aber schlussendlich jedem Fotograf individuell passen müssen/können oder aber nicht. Ich bin zum Beispiel immer noch in der Gewöhnungsphase mit dem Blenden-Wählrad (vorne unter Auslöser). Hier finde ich die Canon-Lösung angenehmer – nach wie vor. Weiter ist Canons Rad hinten neben dem Display auch ein grosser Pluspunkt. Da fühle ich mich bei Nikon eher wie an den Consumer-DSLR’s, wo man mit Digikreuz durch die Bilder browsed, denn erst wenn man im Bild eine Stufe reinzoomt kann man via Wählrad durch die Bilder scrollen, da dann das Digikreuz für die Auswahl des Zoomausschnitts verwendet wird.

Meine Entscheidung

Nach viel BlaBla nun das, worum es eigentlich geht: Welche Kamera bleibt und welche wird inkl. inkompatiblen Equipment verkauft? Eine schwere Frage, echt. Ich habe eigentlich nicht so ein knappes Ergebnis erwartet. Nach all dem, was ich gehört und gelesen habe, hätte Nikon hier deutlich mehr Abstand schaffen müssen. Aber so relativiert es sich mal wieder (wie mir viele auch via Twitter bereits prognostiziert haben).

Es entscheidet viel mehr, welche Kamera einem besser liegt (ja, ebenfalls bereits im Vorfeld via Twitter mir vorhergesagt worden), das Handgefühl, wenn man so will. Auch das Angebot an Objektiven darf dabei nicht ausser Acht gelassen werden. Schliesslich sind die Objektive massgebend am Endresultat eines Fotos beteiligt. Der Body macht da vom Sensor und dem Bildverarbeitungschip mal abgesehen keinen grossen Unterschied. Das haben meine Tests mit dem identischen Objektiv auch bestätigt. CA, Rauschverhalten, Schärfe,… Die Unterschiede sind – wenn überhaupt – marginal.

Kurzum: Die Nikon D300s wird mich weiter begleiten. Eine ganz kleine Erleichterung für die Entscheidung war der Umstand, dass ich für den Canon-Body bereits einen Abnehmer habe. Und die angesprochenen Detail-/Bedienungs-Lösungen, welche mir persönlich sehr gut gefallen. Hätte ich eine Nikon D90 in dieses Rennen geschickt, wäre die Entscheidung anders wohl raus gekommen. Die Bedienung und ein paar kleine Details wie der Quiet-Modus der D300s hat es entschieden!

Canon oder nun doch Nikon

Es gibt ein Bild in jüngster Vergangenheit, bei welchem mich der Autofokus der Canon mal wieder fast in den Wahnsinn trieb (ok, ist übertrieben. Es hat aber etwas Geduld gekostet).

Diese kleine Spinne war nur wenige Millimeter gross. Im Sucher meiner Canon 50D war das Teil zusammen mit dem Canon EF-S 60 f/2.8 USM Objektiv so gross wie ein AF-Punkt auf der Mattscheibe.

Der Autofokus wollte aber strikt diese Spinne nicht finden. Also half ich ihm manuell nach, hatte das Ding nun drin und drückte den Auslöser halb runter, in Annahme, dass der AF nun den explizit ausgewählten AF-Punkt ebenfalls als scharf betrachtete. Leider aber fokussierte der AF wieder auf das Grünzeug im Hintergrund. Also suchte ich wieder auf das neue die sehr kleine Spinne mit dem Sucher… das machte ich ca 3-4mal, bis mir dieses Bild dann gelang.

Die Lösung war: AF ausschalten, manuell fokussieren. Das Ergebnis ist aber nur mässig.

Warum Nikon?

In Vergleichen liest man dass Nikon in Sachen Autofokus deutlich besser sein soll. Also dachte ich mir, teste ich das doch mal selbst. Ich hab mir also kurzerhand eine Nikon D300s gekauft. Auf ricardo.ch ersteigerte ich dann noch relativ preiswert ein bildstabilisiertes Nikon AF-S 105 f/2.8 Objektiv.

Nikon hab ich mir ja schon bei der Evaluation der Canon 50D angeschaut. Da war aber nur die D90 ein Thema. Die Ergonomie war aber der Schlüsselpunkt für Canon. Die Bedienelemente fand ich bei Canon etwas optimaler platziert. Die D90 hat zwei Knöpfe rechts vom Display (AF und Seriebild/Selbstauslöser), welche ich für unerreichbar halte ohne die Hand vom Griff zu nehmen. Und das Wählrad unter dem Auslöser finde ich als Canon-User ebenfalls “gewöhnungsbedürftig”. Hier halte ich Canon’s Lösung optimaler (Auslöser und Wählrad von der Platzierung her vertauscht).

Die D300s vermag aber in gewissen Punkten wieder “aufzuschliessen”. Einerseits gibt es keine Automatik Programme (analog Canon 7D), welche unnötig Platz benötigen, andererseits sind viele Einstellungen via separaten Knöpfen oder Schalter direkt veränderbar und alle Elemente lassen sich prima erreichen, ohne grosser Fingerakrobatik. Das Bedienelement, das anstelle des Moduswählrades verbaut wurde, liebe ich bereits jetzt (links im Bild). Ich erwarte auch, dass die 51 AF-Punkte hier einen entscheidenden Vorteil bringen (Canon 50D hat 9 AF-Kreuzsensoren). Natürlich ist das eine Wählrad aber noch immer unter dem Auslöser… ;-)

Und jetzt?

Dieses Weekend ist mein Bruder mit einem Grossteil meines Equipments unterwegs. Daher kann ich noch keinen 1:1 Vergleich machen. Ich will aber mit beiden Kameras mal eine kleine Teststrecke machen. Der Bildstabi des Nikon-Objektivs wird zum fairen Vergleich selbstverständlich ausgeschaltet, mein Cullmann 525M Stativ soll faire Bedingungen schaffen und der Autofokus wird bei beiden Kameras identisch konfiguriert.

Nebst dem Makro-Test (Haupttest, da sich dort die für mich wichtigen AF-Eigenschaften zeigen) werde ich noch einen Test mit einem Standard-Objektiv machen. Hier hab ich an der Canon seinerzeit ein Tamon SP 17-50 f/2.8 VC gekauft. An der Canon hatte ich mit dem Objektiv schon viel Freude: Ist sehr scharf, lichtstark, bildstabilisiert und fokussiert schnell. Das gleiche Objektiv hab ich nun ebenfalls nochmals für Nikon gekauft. Damit kann ich dann einen effektiven 1:1 Test erstellen.

Nebst Schärfe wird aber auch die Bildqualität im Allgemeinen bewertet. Hier werd ich erst in Apple’s Aperture mein Fazit ziehen können. Von der Auflösung her erwarte ich keine allzugrossen Unterschiede… 13MP bei der Nikon vs. 15MP bei der Canon. Rausch- und Low-Light-Verhalten könnte da aber schon eher entscheiden… und die chromatische Abweichungen (welche wiederum aber auch nachträglich korrigert werden können).

Der Gewinner darf fortan seinen Platz in der Fototasche (wieder) einnehmen; der Verlierer wird inkl. Objektiven verkauft – schliesslich muss ich die temporären und nicht gerade geringen Investitionen irgendwie wieder etwas relativieren ;-) Update folgt